Tribal

AWARD 2013

Laudatio für die Preisträger des

award_2013

award_2013_diawara_basseko

Bassekou Kouyaté und Fatoumata Diawara


Ein Land in Afrika hat uns in den letzten eineinhalb Jahren besonders beschäftigt und wir haben mit großer Sorge und auch Angst beobachtet, was dort geschehen ist. Ich spreche von Mali, einem Land, dessen Kultur und im besonderen seiner Musik wir uns seit vielen Jahren verbunden fühlen. Die aktuellen Ereignisse dort haben uns deshalb bewogen, dieses Land in den Mittelpunkt des diesjährigen Festivals zu stellen. Denn es waren gerade die Musiker und Künstler, die unter den radikal-islamistischen Rebellen zu leiden hatten. Die soge-nannten Gotteskrieger wollten sie zum Schweigen bringen und eine Jahrhunderte alte Kultur vernichten.


Doch die Musiker schwiegen nicht und erhoben ihre Stimme, wohl wissend, dass sie sich dabei Wut und Zorn der Ein-dringlinge zuziehen würden. Sie wehrten sich mit ihren Mitteln und schrieben Lieder, in denen sie sich für ein freies, demokratisches und vereintes Mali einsetzten.


Eine junge Sängerin stand mit an der Spitze der Bewegung. Sie bat zahlreiche bekannte Musiker ihres Heimatlandes zu sich, um ein Lied für den Frieden zu singen. Am Ende waren es über 40 Musikerinnen und Musiker, die als „Voices United for Mali“ ihrem Ruf folgten und Zeilen wie diese sangen:


„Es ist Zeit, dass wir uns äußern, es ist Zeit, dass wir Künstler von unserem Mali sprechen.“


Ein anderes Beispiel:


„Sie wollen uns die Scharia aufzwingen. Geht und sagt ihnen, dass Mali unteilbar ist.“


Für diesen Mut und dieses Lied mit dem Titel „Mali Ko“, aber auch für ihren Einsatz für die Rechte der Frauen Malis, danken wir Fatoumata Diawara und verleihen ihr den Festival Award 2013.


Sie war aber mit ihrer Initiative glücklicherweise nicht allein. Als in Bamako nach dem Militärumsturz die ersten Schüsse fielen, war ein malischer Musiker gerade dort im Studio, um seine neue CD aufzunehmen. Mit dem Titelstück dieser CD rief er zu einer großen Zusammenkunft auf, die die Gemein-samkeit aller Malier demonstrieren sollte. Gleich ob aus dem Norden oder Süden, ob dunkel- oder hellhäutig, ob Muslim oder Christ. „Jama Ko“ heißt das Album, mit dem auch Bassekou Kouyate lautstark seine Stimme gegen die Terroristen erhob, die die aktuelle Musikszene Malis zum Verstummen bringen wollten.


Wir wollen auch mit dem zweiten Festival Award für Bassekou Kouyate hierfür Dank sagen, aber auch dafür welch wunderbare Musik wir in den letzten Jahren aus Mali geschenkt bekamen und hoffentlich auch noch lange bekommen werden.


Merci Fatoumata, merci Bassekou und allen anderen Musikern Malis. Möge die Musik Malis noch lange zu hören sein.

 

lifetime_achievement_award_2013

award_2013_manudibango

Manu Dibango

 

„Past Present Future“ – „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ heißt seine aktuelle CD. An dieses Motto wollen wir anknüpfen und zunächst einmal einen Blick in die Vergangenheit unseres heutigen Preisträgers werfen. Dieser Blick muss sehr, sehr weit zurückgehen, denn auch wenn der Aus-gezeichnete immer noch den Elan und Esprit eines jungen Mannes verkörpert, ist er in Wahrheit ein älterer Herr, ein Grandseigneur im wahrsten Sinn des Wortes.

 

Geboren wurde er am 12. Dezember 1933 in Afrika. Schon als 15-jähriger kam er nach Europa, zunächst nach Marseille, später nach Paris, wo er in den Jazz Clubs bald große Anerkennung als Musiker fand. Es folgten erste Schallplatten, die früh erkennen ließen, dass er in vielen Genres zu Hause ist, wobei er aber seine afrikanischen Wurzeln nie verleugnet.

 

Es würde den Rahmen dieser Veranstaltung bei weitem sprengen, wenn ich auf alle seine musikalischen Seitensprünge eingehen würde. Deshalb gibt es hier nur ein paar wenige Aspekte seiner jahrzehntelangen Karriere. Im Jazz ist er verwurzelt, mit Herbie Hancock führte er elektronische Klänge in die afrikanische Musik ein, er warf einen musikalischen Blick nach Kuba, und lud sich zu seinem 60. Geburtstag alles ins Studio ein, was Rang und Namen in Afrika hatte. Youssou N’Dour, Salif Keita, Toure Kunda und Angelique Kidjo – niemand schlug diese Einladung aus. Aber auch Popstars wie Peter Gabriel und Sinead o’Connor kamen hinzu.

Später widmete er seinem Idol, dem großen Klarinettisten Sidney Bechet, ein Album mit New Orleans Jazz. Und er landete mit einem Song einen Welthit, der auf immer und ewig mit seinem Namen verbunden bleiben wird.

 

Kommen wir zur Gegenwart: Auch wenn er in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern wird, ist er immer noch unermüdlich unterwegs und sprüht vor Ideenreichtum. Und was ihn ganz besonders auszeichnet, ist sein immerwährender warmherziger Humor. Ruhestand ist für ihn ein Fremdwort, und wahrscheinlich hat ihn das so jung gehalten wie er heute vor Ihnen steht, als ein Jungspund im Seniorenalter.

 

Die Zukunft: Da möchte ich ihn selbst zu Wort kommen lassen, so wie er es in unserem diesjährigen Programmheft angekündigt hat: „Ich werde mir erlauben, auch in 20 Jahren nach Würzburg zum Africa Festival zu kommen.“

 

Jetzt möchte ich Sie nicht mehr länger auf die Folter spannen und den Mann zu mir auf die Bühne bitten, den wir in diesem Jahr für sein riesiges musikalisches Lebenswerk, aber auch für seinen unermüdlichen Einsatz für die Belange des afrikanischen Kontinents ehren wollen. Er ist eine lebende Legende, und wir sind stolz, dass er nach 2008 zum zweiten Mal der Schirmherr unseres Festivals ist, der einzigartige und großartige Mr. Soul Makossa, MANU DIBANGO.

 

 

trennlinie_840

v